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Die Karte macht ein leichtes Klickgeräusch und das Licht geht an. Es ist still. Im Zimmer befindet sich nicht viel mehr als ein frisch gemachtes Bett und ein kleiner Tisch, auf dem ein Fernseher steht. Es ist komfortabel, aber nicht gemütlich. Angenehm, aber zu anonym um sich heimisch anzufühlen. Der Mangel an Ablenkungen und Platz fordert zum Arbeiten auf und eventuell zu einer kleinen Entdeckungstour außerhalb des Hotelzimmers, wenn die Arbeit erledigt ist. Perfekt für eine kurze Dienstreise. Aber wenn du die Atmosphäre eines Ortes leben und ihn von innen entdecken willst, dann gibt es dafür eine bessere Art zu Reisen – und zwar durch das Wohnen bei einem Einheimischen. 

Wann immer ich kann, suche ich nach Jobs und Praktika vor Ort, um eine Stadt für mehrere Wochen oder sogar Monate am Stück zu besuchen. Slow Travel, wie man sagt. Auf einem dieser Trips habe ich diese tolle Art entdeckt, alleine zu reisen, ohne allein zu sein.

Bei Privatpersonen vor Ort wohnen

Die meisten von euch kennen wahrscheinlich bereits Internetseiten wie beispielsweise Airbnb. Für die, die sie nicht kennen, kommt hier eine ganz kurze Erklärung: Es geht um Internetseiten auf denen private Personen ihre privaten Unterkünfte vermieten können. Anstatt ein Hotelzimmer zu mieten, mietet man also die Unterkunft einer Privatperson durch die Internetseite. Dabei ist es möglich sowohl eine ganze Wohnung oder ein Haus, als auch nur ein Zimmer in einem Haus zu mieten.

Wenn man als Paar verreist, oder mit ein paar Freunden, dann kann es durchaus sinnvoll sein eine ganze Unterkunft zu mieten. Kürzlich habe ich aber entdeckt, dass es auf langen Soloreisen ein großer Vorteil sein kann, ein Zimmer bei  einer Privatperson vor Ort zu mieten.

Das sind die Gründe:

Es ist wirtschaftlich: Durch das Buchen eines privaten Zimmers, anstelle einer ganzen Unterkunft, lässt sich jede Menge Geld sparen – besonders beim Reisen in der Hochsaison oder Reisezielen, in denen die Lebensunterhaltskosten sehr hoch sind.

Es ist praktisch: Das tolle daran, ein Zimmer in dem Haus eines anderen zu mieten ist, dass dieses Haus bereits ein Zuhause ist. Alle gängigen Geräte zum Kochen sind in der Küche vorhanden (wer möchte schon, bei einem monatelangen Aufenthalt täglich und zu jeder Tageszeit Essen gehen); nervige kleine Dinge, die immer dann fehlen wenn man sie braucht (wie z.B. ein Flaschenöffner), sind auf magische Weise zur richtigen Zeit einfach da; und du wirst höchstwahrscheinlich nicht erst zur nächsten Apotheke laufen müssen, um ein Pflaster zu bekommen, wenn du dir beim Zwiebeln schneiden in den Finger geschnitten hast. Diese kleinen Dinge eben, an die man vorher nicht denkt, die sich aber auf einer längeren Reise bemerkbar machen.

Es ist anders: Statt eine überlaufene Touristenaktion nach der anderen von deiner Liste zu streichen, entdeckst du dein Reiseziel von innen. Am Ende deiner Reise kennst du die Mitarbeiter im Café um die Ecke; du weißt wo die kleine Pâtisserie ist, die den besten Kuchen backt und du wirst  bestimmt herausgefunden haben, welche Bar noch bis zum Sonnenaufgang Cocktails serviert, wenn alle anderen bereits geschlossen haben. Wenn du bei einem Einheimischen wohnst, musst du nur danach fragen.

Es ist – und das ist jetzt wirklich wichtig –wunderbar: Wenn du über mehrere Wochen oder Monate bei jemandem lebst, entwickelt sich im besten Fall eine echte Freundschaft. Wir vergessen manchmal, dass auch beim Reisen nicht immer alles so verläuft, wie wir es uns erhoffen und dass der ein oder andere Tag auch unterwegs schlecht sein kann. In dieser Situation kann es sehr tröstlich sein, dass jemand da ist. Und selbst, wenn alles hervorragend ist, sind die Abende an denen man gemeinsam ein Glas Wein trinkt und Geschichten über erlebte Abenteuer austauscht, einfach unbezahlbar. Das ist jedenfalls die Erfahrung, die ich bei meiner letzten Reise gemacht habe, auf der ich durch Airbnb vier Wochen lang bei einer großartigen Frau in Brighton gelebt habe. Dementsprechend schicke ich an dieser Stelle eine dicke Umarmung und ein großes Dankeschön an Barbara, die dafür gesorgt hat, dass ich mich von dem Moment an zu Hause gefühlt habe, an dem ich durch ihre lila Tür ihr rosa Haus betrat. Auf seiner Reise Freiraum zu haben, ohne allein sein zu müssen, das ist die perfekte Kombi.

Das musst du wissen:

Jede Erfahrung mit dieser Art der Unterkunft ist anders. Wie viel du mit deinem Gastgeber zu tun hast und wie gut ihr euch versteht, hängt letztendlich von euch ab. Aber denk daran: Auch wenn du ein bezahlender Kunde bist – du befindest dich in dem Zuhause und dem persönlichen Alltag deines Gastgebers – Respekt und Kommunikation sind die Voraussetzung für einen angenehmen Aufenthalt für alle Beteiligten. Nicht nur während, sondern auch vor deiner Reise gibt es einige Dinge, die du untersuchen solltest: Gibt es einen Internetanschluss? Darfst du die Küche benutzen? Wirst du der einzige Gast vor Ort sein oder vermietet der Gastgeber mehrere Zimmer? Hast du ein privates Badezimmer, oder teilst du es mit anderen Gästen? Hat dein Gastgeber Haustiere, gegen die du allergisch sein könntest? Überleg dir, was für dich wichtig sein könnte bevor du deine Unterkunft buchst. Auf diese Weise gerätst du bereits mit deinem potentiellen Gastgeber in Kontakt, bist gut informiert und kannst eine gute Entscheidung bezüglich der Unterkunft auf deiner nächsten Reise machen.

Ich habe diese Art des allein Reisens sehr genossen und wenn du Slow Travel magst und den direkten Kontakt zu den Lokalen suchst, dann könnte diese Art der Unterkunft auch für dich von Vorteil sein. Ich kann natürlich nicht versprechen, dass ihr alle eine Barbara haben werdet, aber ich wünsche euch nichtsdestotrotz

Happy Travels. 

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